Austauschprogramme der Gesamtschule Lohmar
Austausch zwischen der Gesamtschule Lohmar und V Liceum Ogolnoksztalcace
Die letzte Begegnung fand im Oktober 2025 zwischen der Gesamtschule Lohmar und dem „V Liceum Ogolnoksztalcace im. Jana Heweliusza“ in Legnica und Wroclaw statt. Der Austausch setzte die Fortsetzung der Begegnung des letzten Jahres fort, mit dem Schwerpunkt auf der Geschichte der jüdischen Bevölkerung Polens. Unterstützt wurde das Projekt vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) im Rahmen des Schwerpunkts „Wege der Erinnerung“.
Thema und Vorbereitung
Das Thema des Austausches war „Auf den Spuren des jüdischen Lebens in Geschichte und Gegenwart – Antisemitismus verhindern“. Die Teilnehmer*innen im Alter von 15 bis 17 Jahren bereiteten sich intensiv vor, indem sie sich mit der jüdischen Geschichte in Mitteleuropa und ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzten. Die Lohmarer Delegation reiste mit 10 Schüler*innen und zwei Lehrer*innen mit dem Zug nach Legnica an. Nach einer 9-stündigen Fahrt fand am selben Tag ein Zeitzeugengespräch mit Frau Joanna Gurbiel statt, die über ihr Leben als jüdische Bürgerin berichtete. Besonders beeindruckend waren ihre Erzählungen über die Kriegs- und Nachkriegszeit sowie die Vertreibung jüdischer Polen in den 60er Jahren.
Besuch der Gedenkstätte Groß Rosen
Am nächsten Tag besuchten die Schüler*innen die Gedenkstätte und das ehemalige Konzentrationslager Groß Rosen in Rogoznica. Die Führung durch das Gelände hinterließ einen tiefen Eindruck, insbesondere die Besichtigung des Steinbruchs, der Baracken und des Krematoriums. Die Schülerinnen recherchierten anschließend über Überlebende des Lagers und präsentierten ihre Ergebnisse.
Besuch des Hebräischen Lyceums in Wroclaw
Am Mittwoch stand der Besuch des Hebräischen Lyceums in Wroclaw auf dem Programm. Die Schülerinnen wurden traditionell mit einem Kuchen begrüßt und konnten an Fachunterrichten teilnehmen. Zwei Schülerinnen referierten über das Leben der polnischen Juden nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Stadtbesichtigung folgte, bei der alte Postkarten und Geschichten zu bedeutenden jüdischen Orten in Wroclaw präsentiert wurden.
Am Donnerstag besuchte die Delegation das Elternhaus von Edith Stein. Ihre Lebensgeschichte und die ihrer Familie wurden durch eine Filmdokumentation und originale Einrichtungsgegenstände veranschaulicht. Anschließend fand ein Rundgang „auf den Spuren der Breslauer Juden“ statt, bei dem die Gruppe viele Orte jüdischen Lebens in Wroclaw besuchte.
Abschluss und Evaluation
Am letzten Tag organisierten die Schüler*innen des Heveliuz Liceums eine Präsentation zur Zusammenfassung der gemeinsamen Woche. Die Teilnehmenden gaben Feedback zur Umsetzung des Programms und tauschten Verbesserungsvorschläge aus. Während des Austausches wurden Freundschaften geschlossen, Vorurteile abgebaut und Gemeinsamkeiten entdeckt.
Die Schüler*innen freuen sich auf ein Wiedersehen und die Fortsetzung des Projekts in Lohmar. Geplant ist, das erfolgreiche Konzept der Zeitzeugeninterviews wieder aufzugreifen und das Thema „Auf den Spuren jüdischen Lebens der Vergangenheit und Gegenwart – Antisemitismus verhindern“ fortzuführen.




„Demokratie in Gefahr" - Aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen
Deutsch-polnischer Schüler*innenaustausch zwischen der Gesamtschule Lohmar und dem Heveliuz Liceum – Ein Treffen in Berlin
Kürzlich fand die zweite Schüler*innenbegegnung in Berlin zwischen der Gesamtschule Lohmar und dem V Liceum Ogolnoksztalcace im. Jana Heweliusza – ein Gymnasium in Legnica, Polen – statt. Der Austausch war die Fortsetzung einer Begegnung im Vorjahr; damals wünschten sich die Teilnehmer*innen eine Vertiefung des Themas „Demokratie in Gefahr: Aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen“. Dies sollte vor allem durch Begegnungen und Interviews mit Zeitzeugen geschehen. Die Teilnehmer*innen beider Delegationen im Alter von 15 bis 20 Jahren hatten dafür Interviews vorbereitet. Zu dieser zweiten Begegnung reisten die Lohmarer und Legnicer Delegation mit jeweils 12 Schüler*innen und zwei Lehrer*innen mit dem Zug nach Berlin.
Am ersten Tag stand der Besuch des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen an. Die Delegation aus Polen und Lohmar wurde von Prof. Matthias Leupold durch die Gedenkstätte geführt. Seine Eltern wurden in Auschwitz ermordet und er entschloss sich zunächst für ein Leben in der DDR. Dort wurde er als junger Mann in der DDR als Fluchthelfer ohne Anklage mehrere Wochen eingesperrt, bevor er zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Beihilfe zur „Republikflucht“ (Flucht aus der DDR) verurteilt wurde. Die Schüler*innen waren sehr berührt, als er ihnen die Zelle zeigte, in der er wochenlange ohne Kontakt zur Außenwelt verbracht hatte und über Wochen verhört und gefoltert wurde. Was ein Staat ohne Demokratie bedeutet, konnten sich hier alle Besucher vorstellen.
Am Folgetag traf die Delegation die erste Zeitzeugin. Doris Steinke, eine Dame im Alter von 96 Jahren, beantwortete nach bestem Wissen alle Fragen der interessierten Schüler*innen. Sie berichtete von ihren Erinnerungen vom Ende des 2. Weltkrieg, den sie in einem Keller in Anklam erlebte, und von ihrer Freude beim Fall der Mauer in Berlin. Als Mitglied eines Vereins polnisch-deutscher Großeltern setzt sie sich immer noch für die polnisch-deutsche Freundschaft und europäische Verständigung ein. Sie äußerte sich auch besorgt über das fehlende Zuhören und Miteinanderreden in der Gesellschaft, was wichtig für eine gesunde Demokratie sei.
Am nächsten Tag erwartete die Delegation den letzten Zeitzeugen der Begegnung, Herrn Ribka (88 Jahre). Herr Ribka hatte als Lehrer selbst polnisch-deutsche Begegnungen betreut und beantwortete alle Fragen, die ihm die polnischen und deutschen Schüler*innen stellten, sehr bedacht. Sein Appell, die Demokratie zu unterstützen und die Freiheit zu bewahren, war für alle eindringlich. Herr Ribka war seinerseits sehr beeindruckt von der Kommunikation der polnisch-deutschen Delegation, die wechselseitig die Übersetzung (Polnisch-Englisch-Deutsch) übernahm. Er berichtete im Anschluss in einer Mail:
„Bitte sagen Sie den jungen Leuten, dass ich mich gefreut habe, so interessierten und aufmerksamen Fragen Rede und Antwort gestanden zu haben. Interessant für mich selbst war die Beobachtung, dass die Kommunikation unter den jungen Leuten beider Nationen über das Englische heutzutage so gut funktioniert und dass die faktische Sprachlosigkeit bei Schulbegegnungen früherer Jahre vorbei ist. (…) Es geht vorwärts beim Abbau der Sprachlosigkeit.“
Gerne möchten die Schüler*innen beim nächsten Treffen im Oktober das erfolgreiche Konzept der Zeitzeugeninterviews wieder aufgreifen und zu einem weiteren, sehr aktuellen Thema, fortführen: „Auf den Spuren jüdischen Lebens in der Vergangenheit und Gegenwart in Wroclaw – Antisemitismus verhindern“. Das nächste Treffen wird wieder in Legnica bzw. Wroclaw stattfinden. Dort möchten die Teilnehmenden mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Wroclaw und auch mit jungen polnischen Menschen jüdischen Glaubens über das Thema sprechen.


Polnisch-deutscher Schüler*innenaustausch an der Gesamtschule Lohmar
In der letzten Woche vor den Herbstferien war es endlich so weit: Der langersehnte Rückbesuch einer Schüler*innengruppe aus Zarow (Polen) war geplant. Das erste Treffen des Schüler*innenaustausches hatte bereits 2019 in Zarow stattgefunden; der Rückbesuch musste allerdings aufgrund der Pandemie immer wieder verschoben werden. Umso größer war die Freude bei allen Beteiligten, dass der Rückbesuch in Lohmar nun wie geplant stattfinden konnte.
Zehn polnische und zehn deutsche Schüler*innen der 8./9. Klassen nahmen am Austausch teil und verbrachten gemeinsam eine spannende Woche mit einem vielfältigen kulturellen Programm. Selbstverständlich stand ein Besuch in Köln auf der Tagesordnung, wo der Dom, das Römisch-Germanische Museum und der Kölner Zoo besucht wurde. In Bonn machte die Gruppe eine Stadtführung und besuchte das Haus der Geschichte. Aber auch in Lohmar gab es aufregende Termine: Die Lohmarer Bürgermeisterin Claudia Wieja hatte die Schülergruppe zum Empfang in das Lohmarer Rathaus eingeladen. Die Gruppe durfte sich sogar das Büro der Bürgermeisterin anschauen und konnte aus dem Obergeschoss des Rathauses den Blick auf Lohmar und auf die Gesamtschule genießen.
Im Anschluss richtete die Schulleitung der Gesamtschule mit tatkräftiger Unterstützung der Schulpflegschaft eine leckere „Bergische Kaffeetafel“ her. Beim Abschied von den Gästen waren sich alle Gäste und Gastgeber*innen einig, dass die Austauschbegegnung ein voller Erfolg war. Beim Abschied flossen sogar einige Tränen. Die Freude auf den nächsten Besuch in Zarow ist schon jetzt groß.
Das Projekt wurde gefördert durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk und durch PLuS Europa, den Verein zur Förderung der kommunalen Städtepartnerschaften der Stadt Lohmar.







